Matthias Hermsdorf postete am 2009-04-13 22:03 in Prag, Reisebericht
Prag Eintrag 6, Mo. 10:50, im Zug

Das Abteil ist voll. Zwei junge Frauen auf dem Weg nach Berlin, ein Opa und eine asiatische Mutter mit Kind. Sie schweigen alle.

Zurück zur U-Bahn. Auf den meisten Bahnsteigen sind Beamer installiert, die Videos an die Bahnsteigwand projezieren. Dort kommen dann Lehrfilme, wie laute Musik die anderen Fahrgäste stört, und die Sache mit den die reinwollen und den die rauswollen. Die 5-Zeiler Kurznachrichten waren mir etwas unverständlicher.

Die wichtigsten (oberflächlichen) Sachen denke ich gesehen zu haben. Klar hätte ich noch in hunderte Museen gehen können und tausend andere Dinge tun. Bis zum letzten Zug 18:29 hätte ich Zeit gehabt. Aber irgendwie war es für mich erstmal genug in dieser Stadt. Also fahre ich. Das 24 Stunden Metroticket hat sich gelohnt.

Platztausch. Zwei hatten reserviert und forderten nun ihre Plätze ein. Der Opa ging. Das Kind sitzt bei der Mutter, und der neue Kerl sagt: das kann doch nicht wahr sein.
Die Verkehrssprache hier ist Englisch. Es ist ein Zug nach Deutschland voller Deutscher, und er sagt "I have reversed these two seats".

Fazit: Die Stadt ist bei Tage schön. Die Architektur und die durchnummerierten Stadtteile erinnern an Wien. Es gibt viel zu sehen. Nahe und ferne Geschichte sind sehr präsent. Bei Nacht wiederrum, wenn die meisten Touristen weg sind, ... Ja was ist dann. Da ist Korruption, Einschüchterung. Da fällt auf der Rest der Tarnung der zwielichtigen Gestalten.
Von einem Besuch dieser schönen Stadt sollte das aber aber nicht abhalten, es gibt diese Schattenstadt zwar, aber auch nicht wesentlich anders als in deutschen Großstädten.

12:48 wird mein Zug in Dresden einrollen, ich werde kurz darauf müde bei mir zuhause eintreffen. Es wird das Gefühl der Reise präsent sein und der Gedanke Tags drauf arbeiten gehen zu wollen wird kurz unangenehm sein. Aber auch dieser Teil gehört dazu.


Matthias Hermsdorf postete am 2009-04-13 21:58 in Prag, Reisebericht
Prag Eintrag 5, Mo. 10:25 auf Bahnsteig 3, Praha Holešovice sitzend.

Die Nacht war wie zu erwartend unruhig. Die Decke zu kurz, seltsame Träume, schnarchende Leute und Abreise zu unterschiedlichen Zeiten. Die Checkoutzeit 10:30 zu verpassen war so recht unmöglich. Gegen acht stand ich auf, suchte mein Zeug zusammen, wusch mich und verließ 8:30 das Haus.

Es gibt hier sehr wenige richtige Bäcker. Zum Frühstück fand ich bei meinem rumtrotten durch die Stadt keinen davon.

Ein letztes mal noch muß ... der Zug fährt ein.


Matthias Hermsdorf postete am 2009-04-13 21:56 in Prag, Reisebericht
Prag Eintrag 4, So. 23:53, wieder im Hostel.

An meinem rechten Fuß scheint sich unter dem Ballen dann doch eine Blase zu bilden. Interessanterweise sind die Fersen noch völlig in Ordnung.

Den Geocache in der Hand des Bärtigen habe ich vorhin geborgen. Es ist eine Filmdose, deren Inhalt ich hier nicht preis gebe.

Mit der Metro wollte ich dann bis Malostranska fahren, verpaßte das doch und war wieder auf dem Hracin. Ein paar Fotos habe ich dann noch gemacht, bin dann doch wieder runter und lief und lief und lief durch die Stadt. Also soo überragend ist die Karlsbrücke dann auch nicht. Es ist eine Kreuzung der Dresdner Augustusbrücke mit den Statuen der römischen Engelsbrücke.

Gegen Mitternacht werden hier wirklich die Fußwege eingeklappt. Nur Casinos und Discos mit zwielichtigen Türstehern, die einen einfangen wollen, waren noch offen. Dann sind da noch diese seltsamen Gestalten, deren Geschäfte man sehr schnell zu ignorieren lernt. Da war dieser muskulöse Typ, der sich vor dem Bettler aufbaute, ihn immer wieder auf die Schulter tätschelte, bis der in sich zammengesunkenen Bettler ihm das Geld übergab. Dass der Typ auch heftig zuschlagen kann und es auch mit freuden tun würde, war offensichtlich.

Diese Leute stehen in den Bereichenzwischen den Kristallwarenläden. Swarowski ist hier so verbreitet wie Starbucks und McDonalds zusammen.

Das Pärchen im Zimmer stellte sich vorhin noch als aus Weißrussland kommend vor. Erklärt das, warum sie eine fast leere Becherovka neben dem Bett stehen hatte, und hin und wieder einen Zug nahm?

Zug... Die Metro erinnert mich an Bilder aus Moskau, und an welche aus Paris. Es ist eine Bahn tief unter der Erde, nicht wie in Berlin, wo sie direkt unter der Straße liegt.
Es kommt immer zuerst ein leichter Luftzug, der sich dann, verbunden mit einem Grummeln in den Tunneln, zu einem heftigen Wind verstärkte. So kündigt sich der kommende Zug an.

Die Frau für das vierte Bett traf ich eben auch schon. Da die beiden Weißrussen morgen zeitig aufstehen werden und nun schon im Bett liegen, waren wir leise. So kam es nicht zu einem Gespräch.
Und jetzt, wo ich das hier, auf einem Stuhl der Raucherecke eines Flures, tippe, ist sie wieder weg.

Der Tag war lang genug, ich geh ins Bett.


Matthias Hermsdorf postete am 2009-04-13 21:53 in Prag, Reisebericht
Karlsbrücke und Touristenschiff

Meine Füße sind platt, aber blasenlos. Diese Hostels haben sich vor mir versteckt, das ist unfassbar. Entweder habe ich völligen Unsinn notiert, die eingesehene Hosteldatenbank ist absolut veraltet, oder die Hostels haben hier gut funktionierende Tarnungen.

Nach Überquerung der Manesuv Most, einer Brücke erwartete mich auf der anderen Seite eine Pasticerie/Bäckerei, mit allerlei leckeren Backspezialitäten, die im allgemeinen auf "Blätterteig mit etwas dazu" beruhten. Mit Süßem gestärkt zog ich weiter bis zum Staromestske Namesti, einem großen Platz. Ein paar Mittelaltermarktleute waren auch da. Tschechische Schmiede schmieden also auch in der Tschechei.

Vor einer Turmuhr sammelte sich eine Menge. Auf zwei Zifferblättern zeig sie das Datum, Tierkreiszeichen und auch die Uhrzeit. Zwei Klappen darüber deuteten auf eine mechanische Spielerei hin und die Tatsache das es 17:55 war erklärte den Auflauf.

17:57 öffneten sich die Türen. Mehrere Heilige schauten nacheinander heraus und gingen wieder. Die Klappen schlossen sich und die Leute klatschten. ... Wenn schon mechanisch verschobene Holzfiguren für solche Begeisterung sorgen, ist es irgendwo klar, das Laptopinnenleben an Magie grenzen.

Stände mit Knabberzeug bieten auch hier ihre Spezialität an. Für Prag sind das Zylinder aus Knüppelkuchenteig, überzogen mit einer Zucker-Nuss-Mandel-Mischung. Bei einem Preis von 50Kc sind sie auch sehr lecker.

Von hier aus Richtung Süden enthielt mein in Dresden geschriebener Zettel 4 Adressen von Hostels. Hier habe ich zwar einen Laptop, aber Wlan geht gerade nicht. Ein Superhandy mit GPS habe ich auch nicht. Da blieb dann bloß fragen und suchen.
Fragen führte mich nicht zum Ziel. Die fünfergruppe junger deutscher Touristinnen schaute auf meine Frage, wo es hier ein Hostel gäbe ratlos. Dann deuteten sie in 7 Richtungen und wußten doch nichts genaues.
Suchen half auch nur insofern, als das ich eine der notierten Adressen fand, in der nun die Polizei residierte. Ein anderes Hostel war geschlossen. An der Adresse des dritten fand ich nur einen Gemüseladen. Die vierte Straße tauchte einfach nicht in meinem Stadtplan auf, war aber laut google maps und meiner Erinnerung aber auch hier irgendwo.

19:00 kam ich mal wieder am Nationalmuseum vorbei. Es war leerer. Würden da nicht ein knutschendes Pärchen genau vor der Hand des Bärtigen stehen, wäre der Moment gut um den Geocache zu bergen.
Kaum hatte ich das zuende gedacht, öffnete sich hinter mir die Tür des Museums und spuckte eine unüberschaubare Menge an Leuten aus.

Eine weitere Runde auf der Suche nach Hostels brachte nicht mehr Erkenntnis als zuvor. Eine Stunde später kam ich wieder an dieser Prachtstraße vorbei, setzte mich, gab die Suche nach den recherierten Adressen auf und atmete durch.

Suchen hilft nicht. Finden muß man. Also stand ich auf, lief 20m die Straße herunter, bog beim H&M nach rechts in die Querstraße Rictung Norden ein, und nahm weitere 20m später auf der linken Seite den Eingang zu der Passage, über deren Eingang das übergroße Schild "Hostel" prangte.

Hier sitze ich nun. Das Bett in einem 4-er Zimmer kostet 320Kr, also ~13€. Es ist einfach, aber sauber. Frühstück gibt es für den Preis nicht. Bettwäsche schon, auch wenn sie mit 1,7m nicht sonderlich lang ist. Ein tschechisches Pärchen wird hier ebenfalls schlafen. Das vierte Bett ist noch frei.

Jetzt ist es 21:11 und für mich Zeit mich abermals ins Getümmel zu stürzen.


Matthias Hermsdorf postete am 2009-04-13 21:47 in Prag, Reisebericht
Prag Eintrag 2, So. 17:18, auf einem Platz in Mala Strana.

Mein Weg führte mich durch die Gärten unterhalb der Burg hinein nach Mala Strana. Es sieht ein bischen wie den Gamle Stan in Stockholm aus. Viele kleine herausgeputze Häuser. Hier stehen dazwischen noch einige große Amtsgebäude.

An jedem hängen neben den Türen Fahnen von der Tschechei und der EU. Fahnen scheinen wirklich beliebt zu sein. Die Ampeln in Prag machen lautstark mit einem Geklacker auf sich aufmerksam.
Ein größerer Akku wäre sehr gut gewesen. Da steht das ich nur noch für 40min Strom habe. Wo ist der andere hin? Ein junger Mann in Geschäftskleidung und Papiernotizblock von der Parkbank nebenan fragt mich, ob es hier Wlan gäbe. Leider kann ich ihm darauf keine Antwort geben. Seit dem Einbau des Rams geht das Wlanmodul nicht mehr.
Eben kam ich durch die Franz Kafka Ecke. Es gab Museen, Bücherläden, Gaststätten in seinem Namen. Die Touristenschiffe sehen aus wie die in Berlin, Dresden, oder das eine in Bernburg. In Halle gibt es glaube ich auch solche. Die scheinen mir von den gleichen Machern wie die Straßenbahnen zu sein. Unter der Karlsbrücke bin ich eben schon drunter durch und momentan nördlich davon. Sie endet mich direkt am Ufer, sondern führt noch ein ganzes Stück weiter. Mein Weg wird mich jetzt wohl Richtung Josefus führen.


Matthias Hermsdorf postete am 2009-04-13 21:37 in Prag, Reisebericht
Grüße aus Prag

Gerade jetzt sitze ich auf einer der Stufen des Hracin, des Prager Burgbergs und einem der Brennpunkte des Tourismus. Es ist Ostersonntag, der 12.04.2009, 15:20 und vor 30 Stunden wußte ich noch nichts von dieser Fahrt.

Eine Freundin rief gestern morgen an. Sie wohnt momentan in Österreich, sonst in Spanien, auch mal in Rumänien und kommt eigentlich aus Halle in Sachsen Anhalt. Gerade war sie in Dresden und lud mich für heute morgen zum Frühstück ein. Ihr Zug nach Wien würde aber schon drei Stunden später fahren, viel Zeit zum reden blieb damit nicht. Ihr Zug nach Wien fährt durch Prag und diese Stadt wollte ich schon immer mal sehen. Also recherchierte ich etwas. http://www.myczechrepublic.com war da wirklich hilfreich.
Die Fahrt von Dresden aus kostet 25€, Übernachtungen sollte es für 15€ geben, und morgen habe ich frei. Das sind gute Vorraussetzungen um mal weg zu fahren. Zwei Stunden fahrt in guter Begleitung waren inklusive.

11:10 verließ der EC von Berlin nach Wien Südbahnhof den Dresdner Hauptbahnhof. 13:18 erreichten wir Prag Holešovice.

Ein 24 Stunden Ticket für die Metro und die Straßenbahn kostet 100Kc, ungefähr 3,70€. Hier gibt es noch Tschechische Kronen, auf den Euro muß man wohl noch bis 2012 warten.

Im Bahnhofsgebäude gibt es, nach den 3 Geldwechselschaltern auch einen seriöseren Geldautomat.

Die U-Bahnen fahren oft und schnell. Es gibt 3 Linien, rot, gelb und grün. Die rote Linie brachte mich zur Haltestelle Muzeum. Hier bekommt man in der Touriinfo eine kleine und praktische Stadtkarte.

(Nachtrag vom Abend. Gleich hier sollte man sich günstige Hostels einzeichnen lassen. Die Karte zeigt zwar allerhand H für Hotels. Aber deren Namen aber alle so teuer klingen...)

Aus den Tunneln entstiegen erwartete mich eine Prachtstraße und das Nationalmuseum. Der Hinweis für den Auftragsgeocache hieß "In der Hand des bärtigen Mannes". Er war leicht zu finden. Leider rennen dort so viele Touristen herum, das ich nicht hoch griff und ihn nicht der Öffentlichkeit präsentierte.

Wieder rein in die Metro fuhr ich mit der grünen Linie bis zur Haltestelle Hradcanska und meine Füße hierher auf den Hradcin zu den Abertausenden anderen Touristen.

Die Stadt ist nett. Polizisten flirteten mit einer Süßigkeitenverkäuferin. Es geht recht ruhig zu. Es ist aber eindeutig nicht Deutschland. Ein drittel aller Rolltreppen sind defekt (oder zumindest deaktiviert). Zwischen den wenigen aktuellen Straßenbahnen fahren noch einige Tatrawagen russischer Produktion. Hier eben standen zwei Polizisten eng mit einem schmierigen Typen zusammen, bedrängten ihn. Dann wechselte etwas die Hände, und beide Seiten trennten sich lächelnd.

Unter den Touristen höre ich überraschend viel Französisch. Aber vielleicht fällt mir das Englische nur nicht auf und die slavischen Sprachen kann ich nicht weiter unterscheiden. Canon stellt eindeutig die Mehrheit der großen Kameras.

Um in den Dom zu kommen müßte ich mich an eine lange Schlange anstellen. Dazu habe ich gerade so gar keine Lust. Vielleicht ist es morgen leerer. Vielleicht bin ich morgen wieder hier. Solange kann ich noch Fotos von Gargoyls und Drachentötern machen.
Gab es nicht auch eine Drachenstory für Prag? Oder war die woanders? Hier habe ich vergessen zu recherchieren.

Die Polizeisirenen haben eine andere Melodie als zuhause. Es klingt bei weitem nicht so drängend und hektisch, ist dafür aber noch weiter zu hören. Besser ist das so auch nicht.


Matthias Hermsdorf postete am 2009-04-10 18:21 in Apophysis, digital Art
ektoplasmische Pilzderivate

Dieses Foto ist gehört zu einem exklusiven Report über den extensiven Anbau ektoplasmischer Pilzderivate in basalthaltigen Verwerfungen jenseits der Subduktionszone durch die Vereinigung fungisopher Marsianer.


Matthias Hermsdorf postete am 2009-04-10 17:32 in Zitat

Sohn: ... aber wenn er doch schonmal ans Kreuz genagelt wurde, kann er danach doch nicht einfach so auferstehen...
Mutter: ... hm, die ganze Geschichte ist recht unglaubwürdig...


Matthias Hermsdorf postete am 2009-04-09 21:13 in Apophysis, digital Art, toll
Mathe kann schön sein
Mathe kann schön sein

Mathe kann so schön sein.

Nur wie zeig ich diese Bilder besser auf dieser Homepage? Hier fehlt noch ganz eindeutig eine Möglichkeit Bilder als Vollbild anzuzeigen.
Einfach so auf nackte Bilder zu verlinken finde ich unschön. Lightbox und Thickbox habe ich noch nicht soo genau angeschaut oder fand es nicht soo berauschend.
Pictlense wollte beim letzten Versuch nicht so recht. Na mal sehen...


Matthias Hermsdorf postete am 2009-04-09 20:43 in gefrickel, Links

Ein Russe mit sehr viel Zeit hat einen Wall-e-Computerhäuse gebaut. Es ist schon toll.

Die ganze Seite englischrussia.com bietet sich an, wenn man gerade auch Zeit hat und nur mal stöbern möchte.

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