Matthias Hermsdorf postete am 2011-09-13 20:24 in Polen, Reisebericht
der Blaue Pfad - siehst du ihn?
der Blaue Pfad - Es gibt ihn wirklich!

Als Wanderwege markierte Routen sind hier in Polen bestenfalls Wildpfade. Was ich so unter einem Wanderweg verstehe, ist hier schon mindestens eine Fahrradroute.
Heute folgten wir für sieben Stunden dem blau markierten Wanderweg. Der letzte Wanderer vor uns muss der Typ gewesen sein, der die Markierung vor fünf Jahren an die Bäume gemalt hat. Mehr als fünf Kilometer war dieser Weg am Ufer des Sees nicht lang, dafür völlig überwuchert. Für ein Tourismusgebiet ist hier erstaunlich wenig los, abseits der Hauptwege.


Matthias Hermsdorf postete am 2011-09-13 11:02 in Polen, Reisebericht
Abendstimmung auf Dauercamperzeltplatz

Letzte Nacht kostete uns 16 Sloty. Dafür bekamen wir ein schlimmes Plumsklo, unangenehme Musik zum Frühstück, einen Wald fast ohne Brennholz, einen Wasseranschluss ohne Trinkwasser und, am schlimmsten von allem, einen Platz mit Dauercampern.
Wir haben trotzdem ein Lagerfeuer gemacht und Knüppelkuchen gegessen.

Rezept:
Mehl+2Eier+Salz+Milchpulver+Wasser+Hefe(Pulver) verrühren, bis alles eine zähe Masse ergibt, die sich an Knüppel pappen läßt.
Milchpulver und Zucker sind optional. Es soll ja Eierpulver geben- Das sollten wir nächstes Mal vorher kaufen. Mit Trockenhefe statt frischer hat man einen haltbare Zutaten für einen Teig. Wenn dann noch Holz in der Nähe ist, ist auch das Backen leicht möglich.


Matthias Hermsdorf postete am 2011-09-13 10:10 in
Waldweg

Birkenrinde ist der beste natürlich vorkommende Lagerfeueranzünder, der erhältlich ist. Wichtig ist die oberste 2mm paperierartige Schicht.
Nur warum stehen in diesem Wald nur Kiefern???


Matthias Hermsdorf postete am 2011-09-10 17:00 in Polen, Reisebericht
Notizen schreiben
Bahnhof Augustow
Bahnhof Augustow

Irgendwann hatte ich die Leute vom PTTK Camping in Stary Folwark ans Telefon bekommen. Sie haben uns dann zwei Stunden später an der Sluza Przewiez abgeholt und brachten uns zum Bahnhof von Augustow.
Rein informativ wollten wir eine Verbindung von hier über Wroclaw nach Dresden inklusive Preis erfahren. Vorsorglich hatten wir die Orte und ein Datum auf ein Blatt geschrieben. Die Frau am Schalter saß hinter einer vergitterten Glasscheibe an einem Sprellakarttisch und begann sofort in einem Fahrplanbuch zu blättern. Von hier nach Bialystock. Dann weiter nach Warszawa, weiter nach Wroclaw. Auslandsverbindungen enthielt ihr zerblättertes Buch nicht. Sie griff zum Hörer und rief irgendwo an und fragte nach der Verbindung. Dann gab sie auf. Ankunft 18:48 bei Abfahrt des Anschlusses 18:15 geht nicht. Ihr zweiter Versuch begann mit dem Zug 15:45 von Augustow und führte mit dem Nachtzug nach Wroclaw. Sie wußte noch, dass der nächste Zug nach Dresden 7:15 losfahren würde, aber nicht, wann der ankommt.
Einen Preis konnte sie nur bis nach Wroclaw sagen, denn der deplaziert wirkende Touchscreen auf ihrem Tisch kannte auch nur Inlandsverbindungen.


Matthias Hermsdorf postete am 2011-09-10 15:03 in Polen, Reisebericht
Würfeln
Sturmstimmung auf dem Biale Augustowski
Sturmstimmung auf dem Biale Augustowski

Ein aufkommender Sturm bringt das beste Licht für Fotografien.
Wir sind gerade an der Sluza Przewiez. Über den Jez. Studzieniezne haben wir uns heute schon gequält. Gegenwind, Wellen und kein Spaß. Durch die Schleuse haben wir uns noch fahren lassen, direkt am Auspuff eines Touristensdampfers. Auf dem dahinter kommenden Jez Biale hätten wir noch 8 Kilometer fahren wollen, und dann unser Kanu abgegeben. Aber wenn bei jeder dritten Welle Wasser ins Boot schwappt, das all unser Hab und Gut enthält, dann muss das nicht sein.
Wir haben am Ufer des Touristendings unser Boot angelegt und unterhalb der ganzen Miethütten unser Zelt aufgeschlagen. Erstmal etwas essen. Wir haben gekocht. Niemand kam um uns zu vertreiben.


Matthias Hermsdorf postete am 2011-09-09 11:10 in Polen, Reisebericht
eine Schleuse

Ich weiß nicht, für was für Schiffe dieser Kanal ursprünglich gebaut wurde. Aber egal wie es war, Sie passen in kein heutiges Konzept.
Der Kanal ist kaum acht Meter breit und nicht sehr tief. Für Frachtschiffe reicht das nicht, für den Tourismus schon. Für den könnte es aber ein bischen mehr Ausschilderung sein.

Daher sind wohl die ersten vier Schleusen, die wir passierten, im Umbau. Von den alten Anlagen ist nichts mehr übrig als ein Loch im Boden. Mal sehen was daraus wird. Die nächsten zwei sind noch alt. Interessanterweise sind sie vollständig Handbetrieben. Der Schleusenwärter dreht selbst die Ventile auf und zu und schiebt die Tore, wie ein Bergtroll am Schwarzen Tor beim Herrn der Ringe, mit seiner eigenen Kraft und seinem eigenen Gewicht auf.
In Mecklenburg bezahlen nur große Schiffe für die Schleusen, die kleinen kommen so mit durch. Hier gibt es keine großen. Für die Kleinen kostet es dann 8 Sloty = ~2 €. Das ist ok für dieses kleine Spektakel.

Vermisst habe ich aber, wenn schon Kanus und Kajaks die Zielgruppe sind, an den Stegen vor der Schleuse, die Möglichkeit, die Boote zu befestigen. Griffe und Poller wären dafür optimal. Vielleicht gibt es nach dem Umbau ja welche.

Bis nach Augustow ist es noch eine Schleuse. Mal sehen, wie die wird.


Matthias Hermsdorf postete am 2011-09-08 13:34 in Polen, Reisebericht
das klare Wasser der Czarna Hancza
das trübe Wasser des Augustow Kanals

Die Czarna Hancza war kristallklar. Man konnte in 2m Tiefe die Muscheln auf dem dunklen Grund anschauen, wenn nicht gerade Seegras alles vollwucherte. Die Ufer des sumpfigen Gebiets waren hinter dem Schilfgürtel schwer aus zu machen. Die Baumgruppen am Ufer standen oft im Wasser und Seegras wuchs dazwischen.

Mit dem Abzweig zum Augustowkanal wurde das anders. Das Wasser ist trüb und grün, Algen so weit das Auge reicht. Und das ist hier nur sehr kurz. Die Algen überwuchern die Stengel des Schilfs und in den Seen bleiben nur tote Untiefen zurück.

Sobald die vier Schleusen, die wir überwunden haben, wieder einsatzbereit sind, kommt vielleicht etwas mehr Bewegung in das Wasser. Aber darauf folgt noch mehr Tourismus und noch mehr Duschbad und Sonnencreme im schäumenden Wasser.


Matthias Hermsdorf postete am 2011-09-07 22:49 in Polen, Reisebericht
die Vier
Steg mit Autositzen und Enten

Nachdem wir die erste Nacht für uns verbacht haben, legte wir am zweiten Abend an einen noch leeren Platz an. Ein Vierergrüppchen Kajaker, die wir bis dahin schonmal gesehen hatten und die deutsch sprachen, kam wenig nach uns und überlegten, ob sie auch hier Übernachten. Wir bestärkten sie darin. Es war der erste Platz nach einer längeren verschilften Strecke und ich hatte die These, dass es hier voll werden könnte, weil wohl genug Leute die letzten Kilometer auf den nächsten kommenden Platz gehofft hatten.
Ich hatte ja keine Ahnung, wie recht ich haben würde. Am Abend hatten dann 13 Boote mit 26 Personen angelegt, und zwei sind noch hundert Meter weiter gefahren, weil es ihnen zu voll war.
Die vier heissen Elisa, Jojo, Holger und Martin, und wohnen momentan in Berlin, Potsdam oder eben Dresden. Man kennt die selben Orte, ihre Ausrüstung sieht unserer recht ähnlich, und jetzt, am nächsten Abend saßen und 27 km später, saßen wir wieder gemeinsam am Lagerfeuer.

Das ersehnte Gewitter ist wohl leider vorbei gezogen. Es donner nicht mehr. Schwül warm ist es aber immer noch.


Matthias Hermsdorf postete am 2011-09-07 22:28 in
20 Sloty für einen Platz im Sumpf
Pole Namiotowie
Doppelplumsklo

Entlang des Flusses gibt es sehr viele Biwakplätze, Pole Namiotowie, die hier meist eine gemähte Wiese, überdachte Sitze mit Tisch, eine Lagerfeuerstelle und ein Plumsklo in hundert Meter Entfernung beinhalten. Der größte Teil des Flusses verläuft durch Privatgrund und einige machen sich den Tourismus zum Nebengeschäft. Am Abend oder am Morgen kommt der Eigentümer vorbei, tauscht den Müllbeutel, hat manchmal eine Axt zum Holzhacken dabei oder wischt die Bänke ab und kassiert dann im Durchschnitt 6 Sloty. Das ist ganz ok, so sind die Schlafplätze immer sauber und ist für entsprechen 1,75€ pro Person auch gut bezahlbar.
Am ersten morgen kam ein Bauer mit Gummistiefeln über die überflutete Weide gestapft, plapperte auf polnisch los, konnte keine andere Sprache und sagte seine Worte immer wieder.
Wir kannten das Prozedere noch nicht. "Da könnte ja jeder kommen", sagten wir uns und packten erstmal zusammen.
Mit der Zeit wurde uns klar, dass er 20 Sloty haben will, ein horrender Preis dafür, dass dieser Platz wenig mehr als eine sumpfige Wiese mit Badestelle zu bieten hatte. Es war einfach. Ich zeigte ihm mein Portemonnaie, dass nur 11 Sloty enthielt, und zeigte ihm noch meine EC Karte mit der Bedeutung, dass wir Geld hätten, aber nicht hier. Er lehnte erst ab, also bauten wir das Zelt ab. Er ahnte wohl, dass er nicht mehr als die 11 bekommen würde, und willigte dann doch ein. Ich gab ihm den Schein. Und er sagte herrisch "Drobny" -"Kleingeld". Da hat er mich ganz nackig gemacht. Anschließend ging er.


Matthias Hermsdorf postete am 2011-09-07 22:00 in Polen, Reisebericht
Tabak - Erst zurück zuhause erfuhren wir, was dort auf so vielen Feldern wächst.

Es ist schon interessant, wie überstürzt die Pausen zum aufschreiben unterbrochen werden und dass sich die nächste Gelegenheit erst am nächsten Tag bietet. Es soll ja wirklich Leute geben, die Bücher mit auf Reisen nehmen...

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