Gesellschaft

Die Welt ist im Wandel

Google schließt also den Reader.

Das ist ihr Recht, es ist ihr Produkt. Und doch ist es eine strategische Entscheidung aus der sich langfristige Änderungen ergeben werden. Wenn ich das richtig interpretiere hat das RSS-System den Leuten von Google noch nie so recht gefallen.

Es ist langsam, weil jeder Client zyklisch den Anbieter nach neuen Nachrichten fragen muss. Damit bringt es viel Overhead mit weil auf die meisten Anfragen abermals die letzten X Einträge geschickt werden, die dem Client schon bekannt sind. Und RSS ist recht anonym. Der Anbieter weiß nicht, wer alles seinen Feed abonniert hat.

Nun ist Googles Hauptgeschäft die Werbung rund um die angezeigten Suchergebnisse. Dieser Punkt bestimmt die Entscheidungen der Firma.

Erst war RSS und Atom der überhaupt einzige Weg einen Überblick über die Änderungen des Netzes zu bekommen. Am schnellsten bekommt man von den Änderungen mit, wenn man die Blogs selber hostet und den Reader gleich dazu. Dann muss man keinen Bot mehr zu anderen Leuten schicken, sondern schaut einfach in die eigene Datenbank und hat die Nachrichten als erster.

Um bei anderen die Nachrichten schneller zu bekommen hat Google PubSubHubBub entwickelt. Leser abonnieren einen Feed und der Reader unterschreibt bei einem Hub. Bei neuen Nachrichten schickt der Hub den Artikel gleich zum Client. Alles geht schneller, braucht weniger Traffic und zumindest dem Hub ist auch der Leser bekannt. Wenn der Hub von Google gestellt ist, weiß Google endlich, wer was liest und welche Werbung man ihm dafür schalten kann. Es gibt Futter für das Nutzerprofil.

Dann kam Buzz und Google+.

Geben wir doch den Leuten einen Grund sich permanent bei google eingeloggt zu lassen. Biete Mailaccount mit beliebig viel Platz an und lesen dafür die Mails mit. Biete ein Fotoalbum mit einer Möglichkeit die Fotos zu beschriften. Da weiß man dank Gesichtserkennung gleich, wer wen kennt und der Kartendienst wird auch noch interessanter. Gib ihnen eine Netzfestplatte und gucke was sie noch alles so zu sagen haben. Und lass sie tratschen. Da passiert immer etwas neues bei den Bekannten. Um dabei zu bleiben gewöhnt sich der Nutzer gern das ausloggen ab. Und jedes mal wird das Nutzeprofil dichter.

Jetzt gibt es hierzulande außer Facebook, Google+ und all den kleinen Foren keine nennenswerten Netzwerke. Und RSS hat es nie zur Allgemeintauglichkeit geschafft. Die wenigsten Leute, die ich kenne, haben auch nur die Abkürzung schonmal gehört. Nur die Blogger untereinander kennen es und finden es praktisch. Wenn Max Mustermann in Bezug auf jemanden auf dem Laufenden bleiben will, ahnt er oftmals noch gar nicht, dass es überhaupt eine Möglichkeit wie RSS gibt. Aber einen Freund hinzufügen ist leicht und verständlich. Und da das nun, außer Facebook, alles auf den Servern von Google geschieht, hat Google keine Probleme mehr mit Anonymisierung, doppelten Accounts oder unstrukturierten Daten. Alles kommt freiwillig frei Haus.

Jetzt ist Google+ etabliert. Jetzt geht es den ollen Blogs an den Kragen. Lasst sie in Bedeutungslosigkeit versinken.

Gute Cloudreader für den Mainstream sind Mangelware und wenn Google seinen schliesst, werden manche Leser zu den Netzwerken gehen. Nächtes Jahr zum Frühjahrsputz wird dann Blogger geschlossen werden. Dann gibt es auch weniger Feeds, die nicht mehr abgerufen werden und nichts ist uninteressanter als der Schnee von gestern.

Mal sehen, ob Googles Strategie auf geht. Werden mehr Nutzer zu Google+ migrieren, weil andere Googleangebote verschwinden? Ist das die Möglichkeit für einen neuen Mitspieler sich am Markt zu etablieren? Oder ist es ein Anreiz wieder zu mehr Dezentralität und die private Cloud bekommt einen Schub?

Gibt es da draußen schon ein Ideemarktplatz?

Amazon verkauft Produkte und bietet seine Plattform auch anderen Händlern zum Verkauf von Produkten an.
My-Hammer ist ein Marktplatz für Dienstleistungen.
Kickstarter bringt junge Unternehmer mit deren zukünftigen Kunden zusammen.

Was mir jetzt noch fehlt ist ein Marktplatz für Ideen.

Unternehmen wollen Produkte produzieren und suchen Hände ringend nach dem neuen Produkt, mit dem sie sich von ihrer Konkurrenz abheben können. Viel zu selten fragen sie aber die Menschen, die ihre Produkte anschließend kaufen sollen. Mich!
Und all die anderen da draußen, die Ideen haben, aber weder die Zeit noch die Ressourcen um sie umzusetzen.

Da wäre die Staffelei, bei der man alle Seiten der Leinwand bemalen kann, ein verbessertes Dokumentationssystem für Archeologen, ein Unterputzlichtschalter mit Wlan zum Fernsteuern, den gleichen als Kabelschalter für Deckenlampen zum nachrüsten und so weiter.

Wer baut mir das alles?

Beim Geschäftsmodell könnte man Prozente vom Verkaufserlös der aus dort gehosteten Ideen entstandenen Produkte in Betracht ziehen. Damit könnte man auch den Ideengeber vergüten. Da müsste man es nur noch schaffen, dass für alle Produkte, die aus Ideen von dort stammen, und deren Ideengeber es so wollen, auch Geld eingetrieben werden kann.

Fotografie im Wandel der Zeit
Fotografie im Wandel der Zeit

http://9eyes.tumblr.com/ ist eine Galerie Screenshots aus Google Streetview. Von Landschaftsaufnahmen, Polizeifestnahmen, Prostituierten am Straßenrand bis zu "Fotokunst" ist alles dabei.

Das dreht die Fotografie auf interessante Weise herum.  Kam früher erst das Sehen, dann das Belichten, so gibt es heute erst die Milliarden unbewerteten Fotoaufnahmen, aus der ein Geduldiger mit geübtem Auge schöne Momente heraussuchen kann.

Früher ließ man sich dann die ehrenwerte Berufsbezeichnung "ehemalig Kgl sächs u Kaiserl u Kgl Hofphotograph" auf den Grabstein meißeln. Heutige Lebensläufe lassen sich selten soweit zusammenfassen.

Omas und ihre sozialen Netzwerke

Zum Mittagessen gab es Pizza. Als wir vom Supermarkt zurück kamen trafen sich auf der anderen Straßenseite 2 Omas und begannen zu plaudern.
Als wir uns 30min später mit der gebackenen Pizza in die Sonne vor dem Laden setzten, standen sie immer noch da.

Sie chatteten intensiv in ihrem bevorzugten sozialen Netzwerk. Dabei vergaßen sie regelrecht die (wertvolle) Zeit. Man könnte meinen, das sie von der Nachbarschaft abhängig waren.

Und keiner hat etwas dagegen.

10. Dresdener Jonglier- und Akrobatikfestival und Körperwärme
Körperwärme am 06.03.2010

 Dieses Wochenende (3.-5.7.2010) ist in Dresden die Jonglierconvention. Genaue Informationen dazu gibt es unter jonglieren-dresden.de.

500 Gäste werden erwartet. Die Eintrittskarten für die Galashow im Theater Wechselbad sind bereits ausverkauft. Es wird großartig. Freitag Abend gibt es eine Offene Bühne in der Halle und eine Offene Feuerbühne draußen. Sonntag wird es Spiele geben, genaueres wird nicht verraten. Über die gesamte Zeit finden Unmengen an Workshops unterschiedlichster Thematiken statt. Einfach so jonglieren kann man auch noch.

Für die, die lieber tanzen wollen, gibt es Samstag Nacht die Körperwärmeparty. Es spielen Bureaumaschine und DJ Equipment. Der Eintritt liegt bei 4€.

Das ganze findet in der Margon-Arena in Dresden statt.

Unbedingt erzählen muss ich davon, weil ich bei der Organisation dabei bin und u.a. der Flyer da oben von mir ist.

 

Kriesengebiet Dresden Neustadt

Gerade komme ich von einem Familientreffen im Westen von Dresden zurück. Mit dem Fahrrad durch den Winter zu fahren ist schon aufregend. Auf der Straße sind die blinden Autofahrer. Auf dem Radweg türmen sich Gebirge von Eis und Schnee, Reste des Winterdiensts. Die Fußwege dagegen sind mit einer Schicht festgetretenen Schnees überzogen, der sich dann nach einer halben Runde am Hinterrad wagemutig von oben in meine Schuhe stürzt.

Am Bahnhof Mitte sah ich dann die ersten Polizeiautos. Die Marienbrücke war abgesperrt. Gut, ich habe ein Fahrrad und fahre einfach mal weiter. Ja, erinnere ich mich, da war etwas angekündigt. Es gab ja irgendwelche Demos und angekündigte Straßenschlachten.

Auf der Neustädter Seite begannen dann meine Augen größer zu werden. Es war als gäbe es in Dresden nur noch Kleintransporter der Polizei. Die Antonstraße zwischen Leipziger Straße und Bahnhof Neustadt war zweispurig zugeparkt. Der Bahnhofsvorplatz war gut umstellt. Die Straße Richtung Albertplatz war ebenso ein Parksplatz der Polizei, wie auch die Hansastraße und die Lößnitzstraße. Dort wählte ich eine kleine, etwas leerere Straße Richtung Königsbrücker Straße. Dort fuhren die Polizeikleinbusse dann. Hin und wieder war etwas größerer Bus dazwischen, diese mit den vergitterten Scheiben. Es gab aber auch Reisebusse der Polizei.  Meine grobe Schätzung liegt bei 250 Transportern, an denen ich vorbei gefahren bin.
Überall standen Grüppchen und Meuten von Polizisten in verschiedenen Graden von Panzerungen.

Über dem Alberplatz schwebte permanent ein Hubschrauber, der mit einem sehr lauten Knattern seine Position hielt und diese auch allen Zuschauern kund tat. Drohnen sind sicherlich nützlich und preiswert, aber  nicht so aktiv einschüchternd.

Als ich durch die Neustadt fuhr waren zwar einige Leute unterwegs, Familien mit Kindern, Pärchen, junge Leute. Alle samt sahen sie harmlos aus.

Was soll das hier, fragte ich mich. Wo sind die Gegner? Wieso soo viel Polizei.

Zuhause las ich dann einen Telepolisartikel zum Thema, der dann aber nicht sonderlich aktuell war. Die sächsische Zeitung hatte interessantere Informationen.

Tagsüber sollten am Bahnhof Neustadt 8000 rechtsextreme Menschen landen. 5000 wurden es dann. Diese wiederrum fanden den Bahnhofsvorplatz von einer Wagenburg der Polizei eingekesselt vor. ie hatten ihre Demo angekündigt, sie wurde von einem Gericht bewilligt, aber sie durften nicht loslaufen.  Rund um den Albertplatz hatten sich um die 5000 Leute versammelt um die Wege zu blockieren. Die Polizei sah sich nicht im Stande diese Blockade aufzulösen. Damit würden sie die Sicherheit während eines Marsches nicht garantieren können und ließen den Marsch nicht starten. Sehr amüsant. Bis 17:00 war der Umzug genehmigt. Die Zeit lief ab. Gegen fünf wurden die rechten Demonstranten dann aufgefordert doch wieder in die Züge zu steigen und abzufahren. Nicht weit entfernt, in Klotzsche standen ihre Busse. Sie taten es dann notgedrungen auch. So verlief der Tag, bis auf ein kleines Scharmützel an der Schauburg völlig ruhig.

Als ich 18:30 dort lang fuhr, war schon "nichts mehr" los.

Aus welchem Grund entwickelt sich Deutschland zum Polizeistaat?

Das sich das Land verwandelt sehe ich zum Beispiel an den zwei Polizisten, die hier auf dem Bahnhof herumlungern. Blau sieht nicht besser als grün aus. Wieso hat der breitere von beiden aber dieses mächtige Gewehr schussbereit vor sich hängen. Hat ihm die Pistole, die er ebenfalls noch trägt nicht gereicht? "Dein Freund und Helfer" sollen sie sein. Bei welchem Anliegen hilft mir diese nonverbale Mordandrohung? Meine Freunde sind da etwas pazifistischer.

Stark bewaffnete Polizisten in Israel und Palestina kann man auf hin und wieder gewalttätige Handlungen schieben, wobei auch da die Frage steht, was hier Ursache und was Wirkung ist. Doch wo liegt die Rechtfertigung für diese auf Einschüchterung ausgelegte Ausstattung?
Es gab hier in Dresden in den letzten 50 Jahren keine Anschläge. Selbst die letzte Revolution lief friedlich ab. Prügelleien im Stadion sind mit Gewehren auch weder zu verhindern noch zu beenden.
Laut Grundgesetz obliegt den Vertretern des deutschen Staates das Gewaltmonopol. Das heißt aber noch lange nicht, das es auch genutzt werden sollte.

Diese Entwicklung gefällt mir überhaupt nicht. War nicht auch in Diskussion doch bitte die Bundeswehr auch im Inneren einsetzen zu dürfen?

Anfänglich klagte der betroffene Teil der Gesellschaft noch über die Einschränkung der Pressefreiheit und Ausweitung der Zensur in China.
Der Bundestag beschloss äquivalente Maßnahmen für Deutschland. Die zeitgleich laufende Petition mit 130000 Unterschreibern, die Zensur nicht zu beschließen, wurde einfach ignoriert.
Sicherlich sind die Sperren momentan leicht zu umgehen und die Zielgruppe sind sowieso nur die bösen bösen Kinderpornographen. Ihre Missetaten wird durch die "Zugangserschwernis" nicht verhindert. Man könnte meinen das das auch gar nicht das Ziel ist, geben sie doch ausgezeichnete Sündenböcke ab, herrlich dazu geeignet bei der Gesellschaft Gefühle zu wecken. Einem aufgewühlten Bürger braucht man keine plausiblen Erklärungen mehr liefern.
Es ist aber auch nur ein Beginn. Die Mittel werden nach und nach wirksamer und die Zielgruppe wird derweil ausgeweitet. Die ursprünglich für LWK Maut auf Autobahnen gedachten Anlagen werden in Kürze ebenso zur polizeilichen Fahndung verwendet. Entsprechende Verhandlungen laufen. Damit werden auf der Suche nach wenigen Gesuchten erstmal alle (so richtig alle. 100%) Autofahrer unter Verdacht gestellt.
Es hat doch kein Amt etwas anzugehen wohin ich fahre.

Die Vorratsdatenspeicherung gibt es auch noch. Ein halbes Jahr werden die Verbindungen aller meiner Telefonanrufe, bei Mobiltelefonen auch der jeweilige Standort, aufgerufene Internetseiten und die Adressen verschickte Mails gespeichert, um sie bei Interesse einsehen zu können.
Würden damit nicht Kosten auf die Zugangsprovider zukommen, wäre sie ebenso schon umgesetzt.

Viel ist dann weder vom Briefgeheimnis noch von der Unverletzlichkeit der eigenen Wohnung übrig. In dubio pro reo ist ebenfalls hinfällig.

Seit dem 01.10.2007 kann ein Angeklagter auf Grund des RIPA-Gesetzes zu 2-5 Jahren Haft verurteilt werden, wenn er sich weigert Passworte zu verschlüsselten Daten heraus zu geben. Soweit sind wir schon EU, das deutsche Richter diesen Beschluss neugierig verfolgt haben.

Vollständig auf "die da oben" will ich es nicht schieben. Immerhin wählen die Menschen immer noch und immer noch das Gleiche. Sie akzeptieren die Situation. Wo aber liegt die Triebfeder für diese Entwicklung. Irgendwer muss doch Nutzen daraus ziehen. Selbst Schäuble ist nur ein Einzelner (wenn auch mit posttraumatischem Stresssyndrom) und offizieller Sündenbock.
Gibt es eine Lösung ganz ohne Verschwörungstheorie?

Inhalt abgleichen